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Zertifizierung der zweiten HeRoes Gruppe

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat am Samstag, 23. April, sechs neue HEROES zertifiziert. Fast 100 Menschen nahmen daran Anteil im Hansa-Saal des Historischen Rathauses.

HEROES – Helden – sind seit einigen Jahren ein Begriff in dem Bemühen, junge Muslime dazu zu befähigen, sich in ihren Kultur- und Religionskreisen gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre und für die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern zu engagieren.

Die sechs neuen „HEROES“ führten dies am Samstag im ehrwürdigen Saal lebhaft vor Augen, als sie vor der Verleihung der Zertifikate ein selber und eigens von ihrem Trainer Jaouad Hanin einstudiertes Theaterstück aufführten, in welchem es beispielhaft um einen typischen Konflikt ging:

Den, dass eine Muslima unberührt sein müsse – so die strenge Lehre –, ehe sie einem ihr womöglich wildfremden Mann überantwortet wird. Die Heroes Felix Abels, Belange Biteke, Samed Coskun, Malik Rizwan Ahmed, Okan Sahin und Alper Yilmaz brachten es bravourös fertig, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und die Konflikte der traditionsbehafteten Familienmitglieder theatralisch deutlich zu machen.

Im Beisein von bereits zertifizierten HEROES aus Köln und Duisburg, von Hedwig Neven DuMont („Wir helfen“), Bürgermeister Dr. Ralf Heinen (SPD), Andreas Kossiski MdL (SPD), Vertretern der Stiftung Rhein-Energie, von Eltern bisheriger wie der neuen HEROES und Verantwortlichen des Vereins HennaMond e.V. gab es im Historischen Rathaus eine bewegte Feierstunde.

OB Henriette Reker empfand das Projekt „heute wichtiger denn je“ – zumal sich die Gesellschaft dieser Herausforderung nicht erst seit Silvester 2015 stellen müsse. Die HEROES-Idee sei nun fast zehn Jahre alt (Berlin) und werde seit 2012 auch in Köln umgesetzt.

„Und Sonja Fatma Bläser“, die Gründerin des Projekts, „weiß, wovon sie spricht“. Damit deutete OB Reker an, dass Bläser selber einst zwangsweise verheiratet werden sollte und dieser halb an Leib und Leben gefährdet war. Seither engagiert sich die couragierte Vereinsgründerin in dieser Sache.

Reker empfindet es als ganz wichtig, umzudenken und die tradierten Rollenbilder in Frage zu stellen. Sie beglückwünschte die HEROES, dass diese den Mut finden, dazu Stellung zu beziehen. „Ich spreche Ihnen meinen Respekt und meinen Dank aus“, sagte die OB – und wünschte sich noch mehr solcher Ansätze.

Maggie Böhler, sprach auch im Namen der gesundheitlich verhinderten Mit-Projektleiterin Sonja Fatma Bläser von einer „großen Ehre, diesen Tag werden wir alle sicher nie vergessen“. Sie wurde flankiert von den neuen HEROES, die in sechs Sprachen skandierten, dass jeder Mensch ein Recht auf Selbstbestimmung hat.

Das sei allen unter die Haut gegangen, attestierte die OB. „Wir haben gemeinsam geweint, gelacht und viel erlebt“, sagte der Trainer Jaouad Hanin. Er schilderte die Arbeit so, dass es einmal in der Woche darum geht, gemeinsame und individuelle Erlebnisse und Erfahrungen zu reflektieren – bis hin zu den Pariser Attentaten.

Ziel des Projekts HEROES ist, dass die HEROES Gleichaltrigen zeigen wollen: Steht auf! Bleibt nicht in der Opferrolle, leistet Euren Beitrag, dieses  Rollenbild zu überwinden! Dank der Zertifizierung gehen die HEROES ab sofort in die Öffentlichkeit und werden Workshops durchführen.

Die HEROES  gehen jetzt in Schulen und reden mit Gleichaltrigen – auch „Hardlinern“ – über Religion, Ehre und vieles andere mehr. „Es ist schade, dass wir nicht genug Geld haben“, fügte Hanin hinzu, dass wir nicht kontinuierlich arbeiten können. Die HEROES hätten in den vergangenen eineinhalb Jahren mehr als 1500 Schüler erreicht.

Maggie Böhler ergänzte in der Richtung, dass die DuMont-Stiftung „Wir helfen“ sowie die „Rhein Energie Stiftung Familie“ einen wesentlichen Anteil der bisherigen Kosten für das HEROES Projekt übernommen haben – ohne zu wissen, wie es am Endes des Jahres 2016 weiter geht. „Wir brauchen verlässliche finanzielle Zusagen und eine nachhaltige finanzielle Basis, um diese so wichtige Arbeit auch in Zukunft fortführen zu können“, forderte die Projektleiterin.

Thomas Wintgen, Vorstand Hennamond e.V.

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